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Nun also Telefonterror statt Naturnähe. Zunächst versucht die Ich-Erzählerin die Verbalattacken zu ignorieren - schließlich gibt es ja "nichts Normaleres als anonyme Anrufe". Zugleich aber befällt eine schleichende Verunsicherung ihren Alltag: Auf der Straße verspürt sie ein "kaltes Gefühl im Rücken, als wenn mich einer von hinten ansehen oder mir folgen würde", wenn das Telefon klingelt, trifft es sie wie ein Schuss "in den Rücken", und zu alledem kommt die Sorge um ihre Tochter Simmy.
Vanderbekes Erzählerin
ist eine erfolgreiche Autorin und eignet sich als Prominente natürlich
als Opfer obskurer Attacken; hinzu kommt aber, dass ihre Bücher zudem
noch umstritten sind. So kreiste ihr erster Erfolgsroman um den mysteriösen
Tod des Musikers Eddie, einem einstigen Freund und Bandkollegen ihres
Lebensgefährten Serge. Dieses Thema verleiht "Abgehängt"
eine kriminalistische Komponente, und es ist kein Wunder, dass die Erzählerin
nun wieder und wieder sinniert, ob ihr schriftstellerischer Erfolg nicht
doch
ein "Irrtum" war.
Schon der nächste
Anruf mit der wenig galanten Mitteilung "Dir zeig ichs, du Dreckstück"
führt zu gesteigerten Angstzuständen - und diese schlagen sich,
gewissermaßen kompensatorisch, auch unmittelbar im Sprachgestus
nieder. Dass Vanderbeke einen Hang zu ausufernden Satzungetümen hat,
ist bekannt; in "Abgehängt" aber lässt sie ihre latent
paranoide Erzählerin derartig einlullende Bandwurm-Bestien absondern,
dass die Lektüre zum Kampf gegen die
Monotonie der Syntaxmäander mutiert.
Das liegt auch daran, dass Vanderbeke im Grunde nicht viel zu erzählen hat - und dass die Erzählerin, wie schon im Vorgängerbuch, erneut eine plüschige Privatphilosophie pflegt, inklusive einer merkwürdigen Affinität zum Metaphysischen und dem Jammern über die unschöne neue Welt der "Spots und Clips und Labels und Geldgesetze".
In diesem moralisch
korrekten Geschwurbel geht die eigentlich nicht unspannende Frage nach
Eddies Tod schnell unter. Selbst die anfangs noch Grusel erweckende Paranoia
verliert mit fortschreitender Lektüre ihren Reiz:
Wenn die Erzählerin sich einbildet, dass ein Mann "zu der Stimme
am Telefon passte", wenn sie einen rätselhaften Anruf eines
falsch verbundenen Immobilienmaklers erhält oder sich ängstigt
beim Anblick eines Mannes, der gegenüber ihres Hauseingangs wartet,
so lässt das weitgehend kalt. Da hilft selbst das ansonsten adäquat
halboffene Ende mit finalem Telefonklingeln nicht.
Nein, Birgit Vanderbeke hat gründlich vorgesorgt, dass ihr Buch nicht funktioniert: Neben der sprachlich-stilistischen Einschläferungstaktik durch repetitiv-redselige Satzschleifen wollen sich Fernsprechgrausen und Todesrätsel einfach nicht zusammenfügen. Und die unausgegoren-banalen Reflexionen über das Elend der "Geldreligionen", Fernsehrealitäten und Sushi-Bars tun ein übriges. Fazit: Mit dieser Mischung Labertaschentum und diffusen Krimiansätzen hat Birgit Vanderbeke sich vor allem selbst "Abgehängt".
Erste
Sätze:
"Ich hab dich auch gestern gesehen, sagte die Stimme. Mit wem spreche
ich, bitte, sagte ich. Du Sau, sagte die Stimme, dir werd ichs zeigen.
Ich legte auf. Es war eine warme, freundliche Männerstimme gewesen."
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Danke.
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