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Helge
Thielking: King of Pain
Ein gutes Krimi-Debüt ist dem jungen Bremer Autoren Helge Thielking
mit seinem Roman "King of Pain" gelungen. Thielking, Jahrgang
1975, erzählt von dem Medizinstudenten Nick Michaelsen, der
als Adoptionskind unter dem "Trauma der unvollständigen
Identität" leidet und seine leibliche Mutter aufspüren
will. Das letzte Lebenszeichen ist eine Postkarte, die sie drei
Monate nach Nicks Geburt aus San Francisco an eine Schulfreundin
geschickt hatte. Mit der tatkräftigen Unterstützung einer
betagteren Dame der Hamburger Adoptionsstelle gelingt der Kontakt
zur leiblichen Mutter: Der Student macht sich auf den weiten Weg
nach Kalifornien, aber Mama läßt das vereinbarte Rendezvous
platzen. Obgleich nur mit spärlichen Hinweisen ausgestattet,
folgt Nick ihrer Spur und gelangt schließlich an eine alte
Adresse in Cypress Cove, wo die Mutter gelebt haben könnte.
Das beschauliche Städtchen, an der kalifornischen Küste
zwischen Monterey und Santa Cruz gelegen, wird gerade von einer
Mordserie erschüttert: Die vierundvierzigjährige Rachel
Valenzuela wurde mit Tritten und Schlägen derart malträtiert,
dass sie ihren Verletzungen erlag. In ihrer Villa hinterließ
der Täter eine Kassette mit der ersten Strophe und dem Refrain
des Songs "King of Pain" des Weichspül-Rockers Sting.
Vier Wochen später wird eine hochschwangere Frau erschlagen
aufgefunden. Ihre Leiche ist bizarr auf der Kühlerhaube ihres
Wagens drapiert, aus dem Cassettendeck dudelt die zweite Strophe
des Sting-Songs.
Detective Tyra Pearson und ihre Kollegen der kleinen Polizeidienststelle
in Cypress Cove stehen vor einem Rätsel: Die Opfer ähneln
sich weder in ihrem sozialen Umfeld noch in ihren äußerlichen
Merkmalen. Einzige Verbindung ist die Tatsache, dass die Frauen
alleinstehend waren. Und ein Name, der in beiden Akten auftaucht:
der von Dr. Valenzuela, Ex-Mann des ersten und behandelnder Gynäkologe
des zweiten Opfers. Doch der Frauenarzt hat für beide Morde
ein unanfechtbares Alibi. Als eine psychisch kranke Frau einen Laden
demoliert und eine Kundin mit einer Eisenstange schwer verletz,
ermitteln die Cops um Tyra Pearson in eine neue Richtung - ist der
"King of Pain" vielleicht eine "Queen of Pain"?
Für einen Debütanten entwickelt Helge Thielking seine
Geschichte erstaunlich professionell: Er verknotet seine Erzählstränge
geschickt und erhöht mit jeder Seite den Druck, indem er mal
Nick Michaelsen, dann wieder dessen leibliche Mutter ins Visier
der Fahnder schiebt. Der Auflösung frisst man sich hochgespannt
entgegen, und - nu, da sind's dann noch Welten zu renommierten Suspense-Schreibern
wie etwa Jeffery Deaver. Der Autor hat sich selbst in den Strängen
so verschnürt, dass er sich nur mit einem nicht ganz überzeugenden
Kunstgriff befreien kann.
Sei's drum: Helge Thielking bringt vieles mit, um ein Großer
zu werden. Von der schwarzen Cypress Cove-Polizisten Tyra Pearson
würden wir gerne mehr lesen, von dem Hamburger Medizinstudenten
Nick Michaelsen nicht unbedingt. Und wenn's bei dem jungen Mann
erotisch werden soll, klingt's noch nach einem sabbernden alten
Herrn: "Jetzt erkannte Nick den vollen Reiz ihrer nicht zu
großen Brüste, die sich unter dem dünnen Stoff abzeichneten
und verspielt auf und ab wippten."
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