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"Laß uns ein bißchen leben, bevor uns die schreckliche,
alles umfassende Dunkelheit verschlingt" - das ist die Botschaft des
Romans "In langen Nächten" von Edna O'Brien. Wie die meisten
Bücher mit einer Botschaft, ist auch dieses nicht sehr erfreulich.
Eine irische Frau namens Mary Hooligan, etwas über vierzig, lebt für
eine Weile in einem fremden Haus und denkt über ihr Leben und ihre
Heimat nach.
In Irland regnet es, es gibt Moore, weite Landschaften sowie seltsame,
trinkfeste Menschen mit eigenartigen Gewohnheiten. Mary hat ihre Mutter
sterben sehen, sie erhält belanglose Briefe von ihrem Sohn, der bei
der Armee ist, und Sex macht ihr Spaß, auch wenn es nur eine Rein-Raus-Angelegenheit
ist. Ihre Ehe ist gescheitert, sie treibt sich herum und versucht, eben
ein bißchen zu leben. Das sieht dann so aus, daß sie die Flora
und Fauna ihrer Heimat intensiv betrachtet und über das Schöne,
Wahre und die Vergänglichkeit schwadroniert. Die gescheiterte Ehefrau
haßt Liebespaare, läßt sich aber mit einem Mann aus der
Upper Class ein, heult sich bei ihrer Freundin aus und kriegt sich mit
ihr in die Haare, wobei die bedeutungsschwangeren Worte "Ich bin derb,
aber manchmal träume ich" fallen. Mary Hooligan ist derb und verträumt,
und mit dieser Masche wirbt sie zusammen mit einem "Werbebonzen" in New
York um "die unglücklichen Exilanten" aus ihrem Heimatort Coose.
Sie soll nämlich diese "zurücklocken zu der alten Sumpfstraße,
den Forellenbächen, den Schenkritualen", aber auch hier scheitert
sie. Besonders unglücklich ist Mary Hooligan mit ihrem Schicksal nicht,
sie hadert nicht mit ihm, vielmehr versucht sie, aus ihrem Leben das Beste
zu machen, was aber so klingt, als wolle sich eine Hausfrau mit der Sinnlichkeit
von Floristik-Kursen in der Volkshochschule selbst verwirklichen - mit
dem Unterschied, daß in Irland eben alles anders ist.
Der Klappentext nennt Marys Lebensgeschichte übrigens einen "Teppich
der Erinnerung". Dabei handelt es sich wohl um einen Flickenteppich,
denn die vielen Fragmente aus dem Leben der Mary Hooligan ergeben keinen
rechten Zusammenhang. Vielleicht liegt das auch daran, daß die Autorin
nicht recht wußte, was sie eigentlich wie erzählen will, und
so entstand ein geschwätziges Buch, das auch noch eine Botschaft hat.
Matthias Kehle
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