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Luc Bondy gehört zu den bekanntesten und vielseitigsten Regisseuren.
Er setzte Filme in Szene, Opernlibretti und Theaterstücke, darunter
viele von Botho Strauß. Die bekannteste seiner Opern-Inszenierungen
war Salome, von der Bondy sagt, sie sei "um die Welt gegangen".
Nun ist ein Band mit Gesprächen mit Luc Bondy erschienen, die
Georges Banu geführt hat. Natürlich drehen sie sich vor allem
um das Theater und den Film. Bondy sieht sich als ein traditioneller Regisseur:
"Ich möchte im Guckkasten eine Reflexion über die Welt anstellen."
Dabei ist er mäßig bescheiden. Er schaffe zwar ein kleines Universum,
aber er schaffe nur "nach, was bereits existiert." Unterbrochen
werden die Gespräche von kurzen Statements über Luc Bondy. Peter
Stein bewundert "die Abwesenheit teutonischer Miefigkeit", die womöglich
in Bondys Zweisprachigkeit begründet ist - er ist ein in Frankreich
aufgewachsener Schweizer. Ivan Nagel merkt an, er habe noch nie eine Inszenierung
von Bondy gesehen, die einen Skandal provozierte. Die Huldigungen von Kollegen
und Schauspielern sind ebenso widersprüchlich wie die eigenen Aussagen.
Und leider äußert Bondy über seinen Beruf viele Leerformeln,
was auch für seine wenigen polemischen Seitenhiebe gilt. Heiner Müllers
Stücke nennt er "machohaft": "Er hat eine Dauererektion, eine Art
sprachlicher Priapismus." Zwischen Bondys Anmerkungen über das
Theater findet sich auch Privates. Er spricht über seine Herkunft
aus einer jüdischen Künstlerfamilie, seine Zweisprachigkeit,
seine überstandene schwere Krebserkrankung und damit über Leiden
und Tod. Etwa vierzig Seiten des Buches nehmen "Texte und Erzählungen"
ein. Bei der Lektüre stellen sie sich als Erinnerungen heraus, vornehmlich
an seine Kindheit und Jugend, die er zeitweise im Internat verbrachte.
Sein Großvater Fritz Bondy, selbst Schriftsteller, gab dem Enkel
auf dem Sterbebett einen Rat: "Luc, vergiß nicht, eines Tages
Salome zu inszenieren." - ob Wahrheit oder Selbststilisierung bleibt
Bondys Geheimnis. Mit dem Band "Das Fest des Augenblicks" jedenfalls
wird ein sensibler Regisseur portraitiert, der als zurückhaltend gilt
und dem Selbststilisierung fremd ist. Für wen das Buch geschrieben
ist, außer für einige Spezialisten und hartgesottene Fans, bleibt
fraglich. Ob ein Regisseur hartgesottene Fans hat, ebenso. Matthias Kehle
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